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Elternzeit mit Baby und Bulli

MySiga GmbH & Co KG
2021-07-01 15:12:00 / Travel / Kommentare 0
Elternzeit mit Baby und Bulli - Elternzeit mit Baby und Bulli

Südeuropa, wir kommen! Oder?

Die Surfbretter auf dem Dach und den Wellen hinterher. Hanno spielt am Strand oder chillt im Baby JoJo unter Pinien, Mama und Papa surfen abwechselnd ein bisschen. Croissants in Frankreich, Pastéis de nata in Portugal, Tapas in Spanien. Das war der grobe Plan, den wir Ende 2019 gefasst hatten. 

Schon vor der Geburt unseres Sohnes Hanno haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir unsere Elternzeit verbringen möchten. Da wir vor einigen Jahren einen VW Bus zum Camper ausgebaut haben, war natürlich direkt klar, dass es mit dem Bulli losgeht. Wenn du schon mal mit dem Camper gereist bist, dann kennst du das Gefühl vielleicht: Keine Buchungen von Hotels, spontan länger an einem Ort bleiben, der einem gefällt und überhaupt ein Stück Freiheit auf vier Rädern genießen. Losgehen sollte es im September 2020 und dann für zwei Monate die Atlantikküste entlang nach Portugal runter bis an den südlichsten Zipfel Europas nach Andalusien. 

Die Vorbereitungen liefen. Der Bulli wurde babytauglich gemacht und bekam eine Dachbox für Buggy, Hochstuhl, Federwiege und was man so alles mitschleppt, wenn man mit kleinem Kind reist. Dass wir mit Stoffwindeln wickeln, erhöhte den Schwierigkeitsgrad ein wenig, denn wir brauchen alle drei Tage eine Waschmöglichkeit. Aber es gibt ja Campingplätze und Waschsalons.

Corona-Tango

Und dann? Corona. Pandemie und dichte Grenzen. Der Kopf schwirrte. Reise abblasen oder Quarantäne bei Rückkehr einplanen? Es einfach riskieren? Für uns war klar, dass das Wohl unseres Kindes absolute Priorität hat und da das Infektionsgeschehen in Frankreich, Spanien und Portugal derzeit nicht rosig aussah, haben wir bereits darüber nachgedacht, ob Nordeuropa nicht eine Option ist.

Zwei Wochen vor Start der Reise erreichte uns dann die nächste Hiobsbotschaft. Ein Trauerfall in der Familie. Die Beisetzung war für die erste Septemberwoche geplant. So führte uns unsere erste Etappe vom Norden Deutschlands ins Ruhrgebiet. Wir haben also den Bulli reisefertig gemacht und sind Anfang September zur Beerdigung gefahren, um von dort dann auf große Fahrt zu gehen. Immer die Coronazahlen im Blick. Und die stiegen wieder. Die Folge: Reisewarnung für Spanien und Frankreich. In ein Risikogebiet zu fahren war für uns ausgeschlossen. Was nun? Nach der Trauerfeier erzählte meine Cousine, dass sie mit ihrer Freundin ein Haus auf Bornholm gemietet hat und meinte, wir könnten ja dort vorbeikommen. Da die Zahlen in Skandinavien im Vergleich zu vielen anderen Ländern recht niedrig waren, haben wir das Angebot angenommen.

Planänderung 1: auf nach Skandinavien

Es ging also kurzentschlossen vom Ruhrgebiet zuerst nach Rügen. Dort haben wir die erste Nacht der Elternzeitreise im Bulli verbracht. Ein Wiesenparkplatz an einer kleinen Badebucht war der perfekte Einstieg. Hanno konnte auf der Wiese rumkullern und mit den Füßen im Wasser planschen. Das Wetter war herrlich und während der kleine Drops in seiner Federwiege abhing, haben wir draußen kochen und essen können. Am nächsten Morgen ging es für uns auf die Fähre von Sassnitz nach Bornholm.

Back to Bornholm

Auf Bornholm war ich bereits einmal. Als kleines Kind. Über 30 Jahre her. Wir waren mit meiner Cousine auf einem Bauernhof. Ich wäre damals fast in der Ostsee von den Wellen weggespült worden aber mein Papa hat mich rechtzeitig am Arm gegriffen. An viel mehr kann ich mich nicht erinnern. Nun war ich mit meinem Sohn wieder auf der Insel. Und was soll ich sagen? Es war wunderschön. Tolle Sandstrände mit herrlichen Dünen, Burgruinen, Fischerdörfern und natürlich übertrieben großes Eis mit Schaumkuss, Streuseln und Sahne. Der erste richtige Stopp auf der Reise und wir sind direkt ein paar Tage länger geblieben, als gedacht. Aber das ist ja das Schöne bei einer Reise im Bulli: Du hast keine Verpflichtungen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein zu müssen. Nach vier Tagen hat es uns dann aber weitergezogen.

Schiff ahoi nach Schweden

Wir haben die Fähre nach Trelleborg genommen. Fähre fahren - für Hanno ein echtes Erlebnis. Das große Schiff mit Spielecke und vor allem vom Deck aus aufs Meer schauen, den Wind im Gesicht - er liebt das. In Schweden waren wir bereits vor seiner Geburt und haben uns die größeren Städte Malmö, Göteborg und Stockholm angeschaut, waren auf den Spuren von Pippi Langstrumpf und Michel unterwegs. Das haben wir uns mit Kind diesmal gespart. Unser grobes Ziel war der hohe Norden. Die Nationalparks dort sollen wunderschön sein. Wälder, Felsen und rauschende Wasserfälle, Feuerstellen und gute Chancen, einen Elch in freier Wildbahn zu sehen. 

Die ersten Tage haben wir aber an der Westküste verbracht. Auf unserer ersten Bulli-Tour durch Südschweden haben wir einen wunderschönen Stellplatz auf einer Insel in einem großen See gefunden. Eine kleine Sandbucht lädt zum Schwimmen ein, am Ufer sind Feuerfässer im Boden eingelassen, Felsen, Wald und Wasser umgeben diesen Ort. Er ist so etwas wie ein “happy place” für uns. Hanno hat es sich im Baby JoJo gemütlich gemacht und wir konnten am Lagerfeuer sitzen und aufs Wasser starren. Sowieso sollte einfach mehr aufs Wasser starren. Mich beruhigt das ungemein.

Stoffwindeln trocknen auf dem Campingplatz

Nun sollte es aber weiter Richtung Norden gehen. Beim Vorbeifahren an den typischen roten Holzhäusern und vom Zucker der täglichen Zimtschnecke aufgeputscht, ist in uns ist der Gedanke gereift, einen Abstecher über die finnische Grenze zu machen und das Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi zu besuchen. Also haben wir uns quer durchs Land auf den Weg zur Ostküste gemacht. Umso nördlicher wir kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Zwei Erwachsene und ein Kleinkind mit Bewegungsdrang gefangen im Bulli. Es wurde Zeit für ein paar Tage auf einem Campingplatz. Warme Dusche und Wäsche waschen, das war auch dringend mal nötig. Außerdem wurden die Stoffwindeln nicht mehr trocken. Wir waren also bei der Campingplatzwahl darauf angewiesen, dass auch ein Trockner vorhanden ist. In der Nebensaison. Im spärlich besiedelten Norden Schwedens. Das war echt eine kleine Herausforderung aber wir haben es immer irgendwie geschafft. Wenn du also deinen Schatz auch mit Stoffwindeln wickelst, das geht auch auf Reisen meist sehr gut.

Neue Gefährten

Frisch geduscht und mit sauberen Windeln ging es weiter. Bei Örnsköldsvik haben wir einen kleinen Platz direkt am Wasser gefunden. Nach dem Campingplatz waren wir froh, wieder für uns zu sein. Dann: Scheinwerfer. Ein anderer Bulli. Er war das Spiegelbild von unserem. Ein junges Paar aus München, Ramona und Max, mit ihrem Hund Mogli gesellten sich zu uns. Hanno liebt Hunde und fing direkt an, aus der Federwiege bellend zu kommunizieren. Kinder und Tiere, so kommt man immer einfach ins Gespräch. Die Drei waren grob in die gleiche Richtung unterwegs und wie es der Zufall so will, trafen wir uns auf dem nächsten Stellplatz wieder. Wir hatten einen Gästehafen gefunden, was für Schwedenreisende echt ein guter Tipp ist. Meistens steckst du einfach ein bisschen Geld in einen Briefkasten und kannst dort Aufenthaltsräume und Waschmöglichkeiten nutzen. Manchmal gibt es sogar einen Kamin mit Feuerholz. 

Der Weihnachtsmann muss warten

Nach dem zweiten Abend mit Ramona, Max und Mogli haben wir uns entschieden, ein paar Tage zusammen zu reisen, bevor wir nach Finnland abbiegen. Dann die Nachricht: Finnland macht die Schotten dicht. Der Weihnachtsmann muss warten. Aber wir sind ja flexibel. Fahren wir eben mit den drei anderen über den Polarkreis nach Jokkmokk. Dort haben wir uns auf einer Alpakafarm für zwei Nächte eingenistet. Alpakas - die ulkigen Tierchen mit den lustigen Frisuren hätten es allemal verdient, Sidekick in einem Disney-Film zu sein. Hühner und Ziegen gab es außerdem. Hanno war begeistert und hat nach einer Hühnerjagd zufrieden in seiner Babyhängematte geschlummert.

Endlich: Ein Elch in Sicht

Ramona und Max erzählten, dass sie schon Elche und Rentiere gesehen hatten. Wir haben auch ständig die Augen offen gehalten aber nichts entdeckt. Als sich unsere Wege trennten, sie musste zurück nach Deutschland, sind wir weiter zum Muddus Nationalpark. Neblig, nass und nur ein paar Verrückte haben sich dorthin verirrt. Und dann stand er da. Ein stattlicher Elch. Es ist schon faszinierend. Zumindest für den typischen Deutschen, der nur Rehe kennt. Wir haben schnell alle vorhandenen Kameras gezückt. Wenn ich mir heute die Bilder anschaue, könnte das auch der Yeti oder Bigfoot gewesen sein. Aber was zählt, ist sowieso die Erinnerung.

Planänderung 2: Ab auf die Lofoten

Am späten Nachmittag haben wir einen See mit Anglerhütte gefunden. Die Hütte war für jedermann geöffnet, es gab einen Kamin und Holz, Toilette und eine Sitzecke. Das Vertrauen der Schweden ist unglaublich. Meine Gedanken: In Deutschland wäre das am dritten Tag leergeräumt. Während Hanno in seiner Federwiege träumte haben wir am wärmenden Feuer recherchiert, wie denn unsere Chancen stehen, nach Norwegen einreisen zu dürfen. Die Grenze war eine halbe Stunde entfernt. Nordschweden war keine Risikogebiet. Also los! Spontan auf die Lofoten. Das war schon immer eines unserer sehnlichsten Reiseziele.

Die Grenze haben wir problemlos passiert. Mit schönen Stellplätzen und geöffneten Campingplätzen (die Waschmaschine und Trockner anbieten) sind die Lofoten im Oktober allerdings nicht gesegnet. Dafür ist die Landschaft atemberaubend schön. Hinter jeder Ecke wartet eine Bucht, ein kleiner Ort oder einfach: nichts. Das ganze Umgeben von Bergen, die wir so gerne hochgewandert wären. Aber Hanno tragen, mit kaputtem Knie - zu der Zeit leider nicht möglich. Das muss nachgeholt werden. Ein paar Tage standen wir frei, meistens eine Straße im Rücken aber die Nächte waren ruhig. 

Tanz der Polarlichter

Dann war wieder Waschtag und wir haben einen netten Campingplatz gefunden. Die Wäsche lief und ich saß im Waschhaus, Annett hat Hanno ins Bett gebracht. Plötzlich riss sie die Tür zum Waschhaus auf: Komm! Da! Da! rief sie. Ich dachte, es ist irgendwas mit Hanno. Und dann sah ich sie: Polarlichter. grün tanzten sie über unseren Köpfen. In meinem Gesicht machten Staunen und Grinsen zusammen breit. Was für ein Erlebnis. Das Spektakel ging die halbe Nacht, mal stärker, dann wieder etwas schwächer. Nach unzähligen Fotoversuchen fielen wir um halb drei nachts ins Bett.

Planänderung 3: Vom Bulli ins Haus

Langsam mussten wir an die Rückreise nach Deutschland denken. Mit der Fähre ging es von den Lofoten zurück aufs Festland. Auf dem Weg in den Süden Norwegens sind wir über Trondheim gefahren. Definitiv eine tolle Stadt, in der man mehr als nur drei Stunden verbringen sollte. Die Altstadt mit ihrer Brücke und den bunten Holzhäusern, Cafés und Boutiquen ist so lebendig. Wir mussten trotzdem weiter denn das Wetter verhieß nichts Gutes. Schneefall war angesagt und bevor der richtig einsetzt, wollten wir da durch sein. Für die Norweger mit ihren Spikes in den Reifen ist das alles kein Problem aber für Mitteleuropäer mit abgefahrenen Ganzjahresreifen irgendwie nicht so lustig. Wir haben es natürlich nicht geschafft und konnten uns auf einen Campingplatz retten. Bis zu den Waden standen wir im Schnee. Für Hanno war das weiße Zeugs natürlich total spannend. An diesem Abend entschieden wir, dass wir uns zum Abschluss unserer Reise noch 5 Tage lang ein Ferienhaus in Dänemark gönnen. Es ist echt beengt zu dritt im Bulli und wir wollten die Elternzeit irgendwie anders ausklingen lassen. Ohne Suche nach Stellplätzen. Mit einem festen Platz fürs Baby JoJo, Kamin, Sauna und einem übertrieben großen Eis mit Schaumkuss, Streuseln und Sahne.

Warst du auch längere Zeit mit Kind unterwegs? Erzähl uns von deinen Erfahrungen gerne in den Kommentaren.


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